Unternehmensgründung: Der Erfolg liegt in den Zahlen

  • Ein perfekter Businessplan sichert noch nicht das Überleben. Vor allem das „verflixte 3. Jahr“ birgt einige Gefahren in sich. Worauf man als Gründer oder Jungunternehmer unbedingt achten sollte, erklärt die Steuer- und Unternehmensberaterin Mag. Gudrun Fercher-Grüner. Die Publikation hat es in sich – ganze 140 Seiten umfasst der „Leitfaden für Gründerinnen und Gründer“, herausgegeben von der Wirtschaftskammer, die unter der Internetadresse gruenderservice.at auch gleich ein eigenes Portal für Unternehmensgründer betreibt. Und derer gibt es in Österreich einige: 39.965 Unternehmen wurden – laut vorläufigen Zahlen – allein im Jahr 2017 gegründet; um 2,1 % weniger als im Jahr davor, dem bisherigen Rekordjahr. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Unternehmensgründungen damit nahezu verdoppelt – durchaus beeindruckende Zahlen also.

Apropos Zahlen

  • Diese werden im künftigen Erwerbsleben hoffnungsfroher Jungunternehmer ein tragende Rolle spielen. Experten, wie die Steuer- und Unternehmensberaterin Mag. Gudrun Fercher-Grüner von der Kanzlei Schebesta und  Grüner in Neulengbach, raten jedenfalls dazu, sich frühzeitig mit den Zahlen zu beschäftigen: „Der wohl wichtigste Teil eines Businessplans ist das Zahlenwerk, in dem der Gründer oder die Gründerin die Umsatz- und Gewinnprognosen darlegt.“ Die Prognosen sollten einerseits realistisch sein und andererseits muss sich der Jungunternehmer auch Gedanken darüber machen, ob sein erzielbares Einkommen die eigenen Lebenshaltungskosten auch tatsächlich decken kann. Gudrun Fercher-Grüner: „Ich rate parallel zur Umsatz- und Gewinnprognose im Businessplan auch dazu, eine Ausgabenrechnung für den Privatbereich zu erstellen. Man bekommt damit ein besseres Gefühl dafür, ob das künftige Einkommen auch tatsächlich ausreichen wird.“

Sparringspartner

  • Noch einmal zurück zum Start – sprich zur Planung: Ein gut durchdachter und formulierter Businessplan ist zwar das Um und Auf für jeden Neugründer, doch Papier ist geduldig. Deshalb rät die Expertin, sich einen „Sparringspartner“ zu suchen, der sich den Businessplan zu Gemüte führt und vor allem die Prognose-Rechnungen kritisch hinterfragt: „Ein Steuerberater kann hier sehr hilfreich sein, weil er – wenn er lange genug im Geschäft ist – über entsprechende Branchenvergleiche verfügt.“ Auch wenn die erste Beratungsstunde meist gratis ist, so fallen in der Folge doch Kosten an, die manche Gründer zurückschrecken lassen. Das muss nicht sein, denn bei der Wirtschaftskammer kann man sich bestimme Beratungsleistungen fördern lassen – das gilt allerdings nur für Gründer, die auch der Kammer angehören. Apropos Förderungen: Wenn man solche in Anspruch nehmen will, sollte man sich unbedingt vor Konsumation einer Leistung oder bevor man die Ausgaben tätigt, die gefördert werden sollen, über die entsprechenden Möglichkeiten erkundigen. Förderanträge sind in der Regel vorher zu stellen.

Kontakte nutzen

  • Förderungen sind fein, sie allein werden das Unternehmen bzw. den Gründer oder die Gründerin aber nicht auf Dauer über Wasser halten – Umsätze müssen her. Doch wie kommt man zu solchen? Das Zauberwort, welches in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, lautet Marketing. Hinter Marketing steckt allerdings viel mehr als das, was man landläufig darunter versteht. Meist greifen Neugründer – nicht zuletzt auf Grund der beschränkten finanziellen Mittel – zu ein paar wenigen Marketinginstrumenten wie Visitenkarte, Folder und Internetauftritt. Letzterer sollte gut durchdacht sein und sich genau an den Bedürfnissen der Zielgruppe orientieren, wie der Internetexperte Thomas Nasswetter meint. Gutes Marketing ist jedoch auch keine 'Wissenschaft', die man studiert haben muss. Ein wenig Hausverstand und ein gutes Gespür können sehr hilfreich sein. So reicht es manchmal, sich hinzusetzen und in Ruhe ein wenig nachzudenken, um sich neue Umsatzkanäle zu eröffnen. Vor allem wenn der Geschäftsgegenstand des Gründers eine Dienstleistung ist sind Kontakte – ob beruflich oder privat – mitunter ein unheimlich wichtiger Faktor. Diese gilt es aktiv zu nutzen – sprich die Menschen, mit denen man zu tun hat oder in der beruflichen Vergangenheit zu tun hatte, anzusprechen. Mitunter ergeben sich durch diese Gespräche Optionen für den einen oder anderen Auftrag.

Der Gewinn zählt

  • Auftrag, Umsatz, ... – was am Ende zählt ist der Gewinn, denn dieser bestimmt letztlich das Einkommen des Jungunternehmers. „Gründerinnen und Gründer sollten ihre Kostensituation im Auge behalten, sowohl die fixen als auch die variablen Kosten betreffend. Eine vorausschauende Planung von Investitionen ist ebenfalls sehr empfehlenswert“, sagt die Steuerberaterin Fercher-Grüner. Besonders wichtig ist es auch, die Liquidität im Auge zu behalten – sprich Rechnungen zeitnahe auszuschicken und deren Zahlung auch tatsächlich einzufordern.

Das verflixte 3. Jahr

  • Last but not least warnt die Expertin im Zusammenhang mit der Liquidität noch vor dem dritten Jahr der Selbstständigkeit. Denn in diesem werden die Sozialversicherungsbeiträge auf Basis der Einkommensteuerbescheide der  vorangegangenen Jahre neu berechnet. Mitunter kommt es dabei zu saftigen Nachzahlungen. Die Wirtschaftskammer beschäftigt sich in einer eigenen Broschüre mit diesem Thema. Titel: „Das verflixte 3. Jahr.“ Die Expertin rät auf alle Fälle, einen Teil des Umsatzes für diese eventuellen Nachforderungen zur Seite zu legen.

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